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Frey impressumt

Tipp 2005: Scott Adams “Das Dilbert Prinzip”

Neun Jahre lang habe ich mich standhaft geweigert, in meinen Weihnachtstipps Literatur zu lobpreisen, die auch nur im Entferntesten nach Büro riecht. Jetzt ist es passiert: Ich empfehle einen Management-Ratgeber.

Das Dilbert-Prinzip von Scott Adams besticht durch eine angenehm unkomplizierte Wortwahl, so dass auch schlichte BWL-Gemüter wie ich den Ausführungen folgen können. Ursprünglich dachte ich, der Mann kann nur Cartoons. Weit gefehlt. In 26 Kapiteln werden auf der Seele brennende Managementthemen in makellos geschliffene Prosa gebettet. Zum Beispiel Reorganisation: „Manager führen sich auf wie Katzen im Katzenklo. Sie werfen instinktiv alles durcheinander, um zu verbergen, was sie angestellt haben. In der Geschäftswelt nennt man das reorganisieren. Der normale Manager reorganisiert, solange er zu essen bekommt.“

Anschauliche Illustrationen vertiefen den Sachverhalt. Meist braucht Adams nur bescheidene drei Rähmchen, um auf den Punkt zu kommen.

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Zu den Höhepunkten eines jeden Kapitels zählen zweifellos die Originalauszüge aus Scott Adams’ E-Mail-Verkehr, die belegen, dass im wirklichen Geschäftsleben alles noch viel skurriler ist:

„Scott, eine wahre Begebenheit: Als es uns in diesem Jahr schlecht ging, beschloss unser Konzernchef, dass wir eine motivierende Konferenz inklusive eines professionellen Firmenmotivationsvideos nötig hätten. Das Video zeigte die Versuch-es-bis-du-Erfolg-hast-Einstellung des berühmten Ballonfahrers Maxie Anderson. Dazu wurde ein an uns gerichteter Brief von Maxie verlesen. Maxie war allerdings schon drei Jahre zuvor bei einem Ballonunfall ums Leben gekommen.“

Scott Adams selbst war 17 Jahre lang – unter anderem bei Pacific Bell – regelmäßiges Opfer von Umstrukturierungen, Umschichtungen und Total-Quality-Management. In langweiligen Meetings begann er, seinen Erlebnissen ein Gesicht zu geben: Dilbert. Dilbert schlug ein wie eine Bombe, wurde – und wird noch – in 1.550 Zeitungen gedruckt, hängt an Bürowänden in aller Welt, und amerikanische Vorstände fürchten nichts mehr als in einem Scott-Adams-Cartoon vorzukommen. Dabei kriegen nicht nur sie ihr Fett weg. Es erwischt einfach alle.

Das mittlere Management: „Wenn Sie im Management weiterkommen wollen, müssen Sie andere Leute von Ihrer Intelligenz überzeugen. Das erreichen Sie, indem Sie verständliche Worte durch eine unverständliche Fachsprache ersetzen. Ein Manager würde beispielsweise niemals sagen: Ich habe eine Kartoffel mit der Gabel gegessen. Ein Manager würde sagen: Ich habe ein mehrfach gezacktes Werkzeug utilisiert, um ein Stärkemittel zu verarbeiten.“

Das moderne Marketing: „Wenn der Forscherdrang der Ingenieure nicht gewesen wäre, hätte die Menschheit das Rad nie zu Gesicht bekommen. Statt dessen hätte sie sich mit einem Trapez zufrieden geben müssen, weil irgendein Neandertaler im Marketing jedermann von dessen großartiger Bremskraft überzeugt hätte.“

Die viel gerühmten Consultants: „Unternehmensberater benötigen nur wenig Erfahrung in der Industrie, um als Experten zu gelten. Sie lernen schnell. Wenn Ihr sechsundzwanzigjähriger Berater auf dem Weg zur Arbeit an einem Software-Geschäft vorbeikommt, zählt das als Erfahrung in der Software-Industrie. Wenn das Geschäft an diesem Tag auch noch Modems verkauft, kommt die Erfahrung mit der Hardware dazu.“

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Human Resources wird ebenfalls gebührend gewürdigt (siehe oben) und wir Werber kommen natürlich auch nicht ungeschoren davon: „Wir hauen die Kunden nicht übers Ohr. Wir halten sie nur fest, während die Verkäufer sie übers Ohr hauen.“

Einziger Nachteil des 330 Seiten dicken Werkes: Man verschlingt es zu schnell und hat dann am zweiten Weihnachtsfeiertag nichts mehr zu lesen. Es sei denn, Band 2 liegt gleich mit unterm Baum: Dilbert und die Stunde des Wiesels.

Fröhliche Weihnachten