

Tipp 2004:Die Zwei (Collectors Box)
Im sonnigen Spätherbst des Jahres 1971 war ich nicht nur Viertklässler einer Singener Grundschule, sondern auch jeden Donnerstagmorgen der Klassendepp. Ich hatte am Vorabend Die Zwei nicht gesehen.
Das ist in etwa so als säße man in der New-Business-Präsentation seines Lebens, hätte die falschen Pappen dabei und obendrein noch Ei auf dem Schlips.
Alle, alle waren sie mit Curtis & Moore an der Côte d'Azur unterwegs gewesen. Wahlweise London, Paris, Rom. Die Jungs fachsimpelten über heiße Puppen, bahamagelbe Aston Martins und rote Ferrari Dinos. Die Mädels diskutierten Haarschnitt und Garderobe seiner Durchschlaucht Brett (wie das, was man vorm Kopf trägt) Sinclair. Der Religionslehrer wurde mit Merkwürden, mir schwelt da eine Frage im Gebeiß angesprochen. Und selbst unser trockener Mathepauker schloss seine Ausführungen formvollendet mit einem Danny-Wilde-Zitat: Ich hoffe, das geht noch ohne Meissel in die Birne.
Nur einer hatte nicht den Hauch einer Ahnung: ich.
Das lag nicht am pädagogischen Dogmatismus meiner Erziehungsberechtigten. Viel profaner. Unser Haushalt scheiterte an den technischen Gegebenheiten. Wir empfingen ARD, Österreich und Schweiz Eins in armselig schwarz-weiß. Nicht für Geld (anteilige Übernahme der GEZ-Gebühren) noch gute Worte (Ich hau euch gleich eine Falte in die Peristaltik) war man geneigt, in eine Antenne zu investieren, die das ZDF aus dem Äther pflückt.
Und jetzt zu den guten Nachrichten.
Alle 24 Folgen von Curtis & Moore – inklusive der sieben, die damals aus unerfindlichen Gründen die Zensur nicht passierten – gibt es jetzt in einer wunderschönen Sammelbox auf acht DVDs.
Gut, auf die englische Tonspur hätte man verzichten können. Die Original-Dialoge waren grottenschlecht. Die Serie wurde damals nur ein Quotenhit, weil Karl-Heinz Brunnemann und Rainer Brandt, ein ehemaliger Kabarettschüler von Wolfgang Neuss, sie mit ihrem Schnodder-Synchron aufmöbelten.
Da wurde Good Morning, Mister Miller gnadenlos mit Na Meisterchen, schon frisch im Schritt? übersetzt und auch sonst keine Gelegenheit ausgelassen, vom verschnarchten Original abzuweichen.
Beim Ferrarifahren: Geht es nicht schneller? Versuch doch mal den zweiten Gang! – Was, der hat auch 'nen Zweiten?
Beim Kochen: Du badest das Hühnchen? – Nein, ich verbrenne das Gemüse.
Am Tatort: Dem hat man mit dem Hockeyschläger die Fontanelle gespalten, die verbleibenden paar Sardellen peitschte er sich mit Brillantine um den Ballon.
Immer wieder gut: die Titelmusik des James-Bond-Komponisten John Barry. Immer wieder entsetzlich: die grellen 70er-Jahre-Klamotten von Sinclair und Wilde. Wenn man die mit 33 Jahren Abstand betrachtet, fährt es einem eiskalt den Rücken runter. Du lieber Himmel, so sind wir damals ja selber rumgelaufen.
Kurz: Alle acht DVDs machen sehr viel Spaß. Man kann sie einem Zeitgenossen unter den Weihnachtsbaum legen, der noch ein Kindheitstrauma aufzuarbeiten hat. Oder sie einfach behalten und sich zwischen den Tagen vergnügte 1.200 Minuten machen. Wie auch immer – wer die Box hat, darf getrost behaupten:
Na, da bin ich doch ein beglückter Pilz.
Fröhliche Weihnachten