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Frey impressumt

Tipp 2003: Werner Fuld „Lexikon der letzten Worte“

Wenn man von Berufs wegen viele Worte macht, fragt man sich unweigerlich: Welche werden wohl meine letzten sein? Und überhaupt – was haben eigentlich die anderen gesagt?
Mit meiner Neugier stehe ich nicht alleine da. Anthologien mit den letzten
Worten berühmter Zeitgenossen gibt es schon seit anno Tobak. Mit jeder Menge Unfug drin. Die Nachwelt legte den Hinscheidenden alles mögliche in den Mund. Sie konnten sich ja schlecht dagegen wehren. 2001 hat sich der Literaturkritiker Werner Fuld dieser Flut finaler Botschaften angenommen, übelsten Quatsch aussortiert und den belegbaren Rest in einem feinen Lexikon untergebracht.
„Und sie bewegt sich doch.“ Galileo Galilei (†1642)
„Welch ein Künstler geht mit mir dahin.“ Nero (†68)
„Kiss me, Hardy.“ Admiral Nelson (†1805)
Alles Klassiker. Schön knapp und weltbewegend. Kennt man. Derentwegen braucht man sich das Buch nicht zu kaufen. Aber wegen der vielen anderen.
Absurd bis komisch wird es nämlich, wenn es so richtig schön daneben geht.
Der amerikanische Dichter Walt Whitman (†1892) sah in den letzten Worten die Krönung des Lebens. Er suchte jahrelang nach der für ihn geeigneten Äußerung. Und fand sie! Dummerweise fiel ihm der Satz nicht mehr ein, als Freund Hein überraschend an die Tür klopfte. Stattdessen murmelte Whitman: „Scheiße.“
Der letzte Wunsch von Brendan Behan (†1964), berühmter irischer Dramatiker und Säufer, galt der katholischen Nonne, die ihn in den letzten Stunden pflegte: „Mögen all deine Söhne Bischöfe werden.“
Sehr empfehlenswert auch die Abteilung, in der das Schicksal die Protagonisten in Ausübung ihrer Berufstätigkeit ereilt. Den französischen Grammatiker Dominique Bouhours (†1702) beispielsweise. Der blieb praxisnah bis zuletzt. Auf die Frage, wie es ihm gehe, antwortete er: „Ich bin dabei zu sterben, oder: ich sterbe gerade. Beide Wendungen sind gebräuchlich.“
Marie Antoine Carême (†1833), der berühmteste Koch seiner Zeit, sah gerade am Herd nach dem Rechten: „Diese Kalbsklößchen sind gut, aber zu rasch erhitzt. Man muss die Kasserolle ganz leicht schwenken.“ Hotelier Conrad Hilton (†1979) meinte noch: „Der Duschvorhang gehört nach innen in die Wanne.“
Ein paar echte Kracher sind auch dabei. Der amerikanische Bürgerkriegsgeneral Sedgewick (†1864) knurrte angesichts des Feindes: „Die könnten nicht mal einen Elefanten treffen auf diese Entfern...“
Terry Kath (†1978), Gitarrist der Band Chicago, versammelte seine Freunde zu einer gemütlichen Partie russisches Roulette: „Keine Sorge, er ist nicht geladen.“ Den einstigen Chef der Firma Murder Incorporated, Albert Anastasia (†1957), erwischte es nach alter Gangster Sitte im Barber Shop. Famous last words:
„Einmal Haare schneiden!“
Das alles und viel mehr ist auf 212 groß gedruckten Seiten schön übersichtlich zusammengefasst. Der Umschlag ist reichlich makaber. Aber den kann man ja abmachen, bevor man das Buch verschenkt. Drunter ist dezent-graue Pappe.
Womit wir bei den letzten Worten dieses Briefes wären:
Fröhliche Weihnachten