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Frey impressumt

Tipp 2000: Dorothy Sayers, "Mord braucht Reklame"

"Die Schuhe des Toten halfen Chefinspektor Parker auch nicht weiter, denn sie waren Konfektionsware, allerdings von einer guten und durch Werbung sehr
bekannt gewordenen Firma. Genauer gesagt, war der unglückliche Mensch in Farleys Schuhen zu seinem Schöpfer gegangen und somit bis zuletzt der kühnen Behauptung gerecht geworden, dass man auch bei erhabensten Anlässen mit Farleys Schuhwerk weiterkommt."


Bevor Mr. Mountjoy vor die U-Bahn fällt, fällt noch ein anderer. Ein Texter nämlich. Und zwar die eiserne Wendeltreppe seiner Agentur hinunter. Lord Peter Wimsey schmuggelt sich unter falschem Namen in Pym's Werbedienst ein, löst den Fall in seiner unnachahmlichen Art und lässt sich nebenbei als Erfinder der Zigaretten-Promotion "Wir whiffeln durch das ganze Land" feiern.

Dorothy L. Sayers hat in den Golden Twenties zehn Jahre lang bei Benson in London getextet. 1933 schrieb sie "Mord braucht Reklame", den zehnten von elf Wimsey-Krimis. Sie sind alle brillant. Aber der hier ist noch ein bisschen brillanter. Spätestens ab Seite 15 keimt einem nämlich die Erkenntnis, dass sich in den letzten 67 Jahren Werbung aber auch gar nix geändert hat.

Die Anliegen der Kontakter sind im Wesentlichen dieselben geblieben: "Könnten Sie da nicht vielleicht noch drei Zeilen rauskürzen? Wir müssen doch noch den Geschenkgutschein für die Schlaguhren unterbringen."

Art Directoren und Texter treten sich nach wie vor gern vors Schienbein: "Nach einer Woche hatte er gelernt, dass die Graphiker es einzig und allein darauf abgesehen hatten, den Text vollständig aus der Anzeige hinauszudrängen, während umgekehrt der Texter ein heimtückischer Bube war, dessen einziges Bestreben es war, den Anzeigenraum so mit Text vollzupfropfen, dass für Illustrationen kein Platz mehr blieb."

Und auch die Performance der Kunden kommt einem ziemlich bekannt vor: "Letzterer verstand sich, wie die meisten Kunden, besser auf destruktive als auf
konstruktive Kritik; er gab seinem Geist die Sporen, bis er überhaupt keinen zusammenhängenden Gedanken mehr fassen konnte . Nach halbstündiger geschickter Behandlung fand er dann mit einem großen Gefühl der Erleichterung und Erfrischung zu dem eben noch geschmähten Entwurf zurück und entdeckte, dass dieser eigentlich fast genau das war, was er haben wollte."


Das alles ist fein beobachtet und vergnüglich aufgezeichnet. Der Grund, warum es dieses schmale Bändchen in die Hitliste der Freyschen Weihnachtstipps geschafft hat, ist allerdings ein anderer: Es spendet uns bürgerlichen Werbern Trost. Indem es anhand zahlreicher Beispiele den Beweis erbringt, dass die Ergüsse adliger Kreativstars zu 99 Prozent Banane sind:

"Dem größten Feinschmecker ist alles schnuppe. Tam-taram-tam - Blaggs Rindfleischsuppe."

In diesem Sinne frohe Weihnachten